Das Problem
Der Stand der Energiewende ist vollständig dokumentiert — und praktisch unlesbar. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht mit dem Marktstammdatenregister und dem Ladesäulenregister jede gemeldete Solaranlage, jedes Windrad, jeden Speicher und jeden öffentlichen Ladepunkt; das Kraftfahrt-Bundesamt liefert die Zulassungen. Zusammen sind das Millionen Einzeleinträge in Rohdateien, die weder Karte noch Aggregation noch Vergleich kennen.
Die Folge: In der Debatte wird mit Schlagzahlen hantiert, die kaum jemand nachrechnen kann — während die Frage, die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich stellen, unbeantwortet bleibt. Nämlich: Wie weit ist die Energiewende bei mir vor Ort, und wie steht meine Gemeinde im Vergleich da?
Der Ansatz
Ich habe das Projekt vom Rohdatensatz bis zur veröffentlichten Anwendung selbst gebaut — inzwischen sind es sechs Dashboards: ein Übersichts-Dashboard, das alle Themen zusammenführt, und fünf Spezial-Dashboards für Photovoltaik, Windenergie, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und E-Mobilität.
- Vollständig statt Stichprobe: Jede gemeldete Anlage fließt ein, nicht eine Auswahl. Die Zahlen sind aus den Registern reproduzierbar.
- Vier Ebenen, ein Klickpfad: Deutschland → 16 Bundesländer → rund 400 Kreise → über 10.000 Gemeinden. Der Weg von der Bundesgrafik bis zum eigenen Ort ist ein Drill-Down auf derselben Karte.
- Faire Vergleiche: absolute Werte allein verzerren zugunsten großer Flächen und Einwohnerzahlen. Jede Kennzahl gibt es deshalb auch je 10.000 Einwohner und je km², eingefärbt gegen Bund, Land und Kreis.
- KI als Werkzeug: Datenaufbereitung, Plausibilitätsprüfungen und ein Großteil der Umsetzung entstanden mit Claude AI — schneller und konsistenter, als ich es manuell hinbekommen hätte.
Die Technik
Kern ist eine reproduzierbare Pipeline, die den kompletten MaStR-Gesamtdatenexport, das Ladesäulenregister und die KBA-Zulassungsstatistik einliest, bereinigt, auf Gemeinde-, Kreis- und Landesebene aggregiert und in eine kartierbare Struktur überführt. Weil die Registerdaten monatlich neu erscheinen, ist der komplette Lauf automatisiert und wiederholbar — ein Update ist ein Durchlauf, keine Handarbeit.
Jedes Themen-Dashboard geht dort in die Tiefe, wo sein Thema besonders ist: Anlagentypen und Leistungsklassen bei der Photovoltaik, Onshore/Offshore, Hersteller und Repowering beim Wind, Speicherdauer und PV-Kopplung bei den Batterien, Steckertypen und Betreiber bei der Ladeinfrastruktur, BEV gegen Plug-in-Hybrid bei den Zulassungen. Dazu eine Analyseseite zur Residuallast, die als einzige nicht auf dem Register beruht, sondern auf gemessenen Viertelstundenwerten aus den Energy-Charts des Fraunhofer ISE: Sie zeigt, was der Zubau im Netz auslöst — mittags fast keine Residuallast mehr, abends unverändert rund 40 GW.
Die Wirkung
Aus drei unlesbaren Behördendatensätzen wurde ein frei zugängliches Werkzeug ohne Anmeldung, das drei Zielgruppen zugleich bedient: Bürger, die ihre Gemeinde einordnen wollen, Journalisten, die belastbare Zahlen für Recherchen brauchen, und politische Entscheider, die den Ausbau steuern. Ein KI-Steckbrief je Dashboard gibt jeder Region einen fertigen Prompt an die Hand, aus dem sich eine vollständige Auswertung der eigenen Kommune erzeugen lässt.
Das Projekt zeigt in einem einzigen Artefakt, worum es mir beruflich geht: aus komplexen Daten eine klare, überprüfbare Grundlage für Entscheidungen zu machen — und sie nicht in der Präsentation zu behalten, sondern zu veröffentlichen.
Alle sechs Dashboards sind unter energiewende-dashboard.org live. Kennzahlen: Stand Juli 2026.
